Spielwarenmesse eG übernimmt Brettspielmesse Spiel

Die Spielwarenmesse eG hat, wie erst heute bekanntgegeben, zum 1. Januar 2022 die Friedhelm Merz Verlag GmbH & Co KG und damit auch die Internationalen Spieltage Spiel in Essen übernommen.


Dieser Artikel basierte ursprünglich vor allem auf einer Pressemitteilung des Friedhelm Merz Verlages und wurde seit der Veröffentlichung mehrfach aktualisiert. Die Eigenschreibweise der Spiel ist SPIEL.

Mit der Übernahme tritt der Nürnberger Messe- und Marketingdienstleister als neuer Eigentümer der weltgrößten Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele auf. Die Spiel soll auch zukünftig auf dem Essener Messegelände stattfinden. Die langjährige Geschäftsführerin Dominique Metzler soll mit ihrem Team vorerst die Messe weiter von Bonn aus organisieren. Als zusätzlicher Geschäftsführer fungiert Florian Hess, Vorstand der Spielwarenmesse eG. „Während Frau Metzler vor Ort sitzt und das Tagesgeschäft maßgeblich bestimmt, wird Herr Hess von Nürnberg aus agieren und bei der längerfristigen Entwicklung unterstützen. Die genaue Aufteilung wird sich im Laufe der nächsten Monate herauskristallisieren“, sagte Christian Ulrich, Sprecher des Vorstands der Spielwarenmesse eG, auf Anfrage. Über den Kaufpreis machten beide Seiten laut dpa keine Angaben.

Der Verkauf sei laut Metzler vor allem aus Altersgründen erfolgt: „Ich werde dieses Jahr 59 Jahre alt und wollte die Spiel frühzeitig an einen kompetenten Partner übergeben, damit der Übergang in einigen Jahren möglichst reibungslos funktioniert.“ Langfristig soll eine andere Person ihre Aufgaben übernehmen. Bereits vor wenigen Tagen hatte der Friedhelm Metz Verlag eine Stellenanzeige veröffentlicht. Gesucht wurde eine Projektleiterin oder ein Projektleiter für die Planung, Gestaltung und Umsetzung der Spiel.

Synergieeffekte durch Übernahme erwartet

Von links nach rechts: Christian Ulrich (Sprecher des Vorstands der Spielwarenmesse eG), Florian Hess (Mitglied des Vorstands der Spielwarenmesse eG, Geschäftsführer SPIEL), Dominique Metzler (Geschäftsführerin SPIEL), Jens Pflüger (Mitglied des Vorstands der Spielwarenmesse eG)
Von links nach rechts: Christian Ulrich (Sprecher des Vorstands der Spielwarenmesse eG), Florian Hess (Mitglied des Vorstands der Spielwarenmesse eG, Geschäftsführer SPIEL), Dominique Metzler (Geschäftsführerin SPIEL), Jens Pflüger (Mitglied des Vorstands der Spielwarenmesse eG). Foto: Spielwarenmesse eG

Der Charakter der Spiel soll sich nicht verändern. „Wir sind erfolgreich, weil wir keinen Gemischtwarenladen haben, sondern ein klares Profil“, sagte Metzler in einem Video auf dem YouTube-Kanal Brettspielgarde. Beide Seiten wollen jedoch von Synergieeffekten profitieren. Metzler erhofft sich durch die Übernahme besser organisierte Abläufe und eine weitere Professionalisierung. Ulrich sagte: „Natürlich möchten wir die Spiel gemeinsam nach vorne bringen, weshalb wir in den nächsten Monaten das Konzept weiter erarbeiten und Einzelheiten bekanntgeben werden, sobald diese spruchreif sind. Wichtig ist uns dabei, dass der einzigartige Charme der Spiel unbedingt erhalten bleibt.“ Unter anderem seien laut Ulrich gebündelte Angebote für Aussteller vorstellbar. Dieser Punkt müsste aber noch konkret ausgearbeitet werden.

„Spiel peu à peu in andere Hände geben“

Die Spiel kann auf eine fast 40-jährige Geschichte zurückblicken: Seit 1983 hat sich die Veranstaltung von einem kleinen Treffen für Spieler zur laut Selbstauskunft des Veranstalters weltgrößten Endverbrauchermesse für Brett-, Karten- und Rollenspiele entwickelt.

„Seit dem Tod von Friedhelm Merz vor 26 Jahren war die Weiterentwicklung der Spiel eine unglaublich schöne Aufgabe, die mir immer sehr viel Spaß bereitet hat. Natürlich fällt es dann auch ein bisschen schwer, die Veranstaltung peu à peu in andere Hände abzugeben.“

Dominque Metzler

Traditionell werden im Herbst in den Essener Messehallen die nationalen und internationalen Spiele-Neuheiten dem Publikum vorgestellt. Jährlich besuchen zu Nicht-Corona-Zeiten etwa 200.000 Menschen die Veranstaltung – Tendenz steigend. Im Jahr 2020 fand die Spiel als Spiel.digital rein virtuell statt, 2021 besuchten 93.600 Personen die Brettspielmesse unter Corona-Bedingungen. Die Spielwarenmesse ist eine reine Fachmesse. Im Jahr 2020 besuchten 63.500 Personen aus 136 Ländern das Nürnberger Messegelände. 2021 fand sie wegen Corona nicht statt.

„Aus der Branche für die Branche“

„Die Spielwarenmesse eG ist seit siebzig Jahren in der Spielwarenbranche zuhause und unser Team in Nürnberg identifiziert sich sehr stark mit den dazugehörigen Themen und Produkten. Als uns zu Ohren kam, dass Frau Metzler eine langfristige Perspektive für die Spiel sichern möchte, bei der sie steuernd an Bord bleibt, haben wir zügig Kontakt aufgenommen“, sagt Ulrich. Als Genossenschaft agiere die Spielwarenmesse eG „aus der Branche für die Branche“. Zahlreiche Spieleverlage zählten zu den Mitgliedsunternehmen. Axel Kaldenhoven, Geschäftsführer Schmidt Spiele, ist seit 2018 Vorsitzender des Aufsichtsrats. Dieser kontrolliert den Vorstand und genehmigt wichtige unternehmensrelevante Entscheidungen. „Wir haben mit der Spielwarenmesse und den Internationalen Spieltagen zwei völlig verschiedene Konzepte, die sich jedoch thematisch stark überschneiden. Mit der Spiel erweitern wir unsere Verantwortlichkeiten im Spielebereich, ohne den für die Messe typischen Charakter zu verändern“, sagt Ulrich.

Die Pandemie hat die Beliebtheit von Gesellschaftsspielen nochmals beschleunigt. Der Umsatz mit Spielen und Puzzles stieg im Corona-Jahr 2020 um 21 Prozent auf mehr als 700 Millionen Euro. Der Trend sei auch auf der Spielwarenmesse im B2B-Segment sichtbar. Bereits im Oktober 2021 wurde bekannt gegeben, dass die „Internationale Spieleerfindermesse Haar“ in die Spielwarenmesse Nürnberg integriert wird und den Zusatz „Game Inventors Convention“ erhält. Durch die Integration in die Spielwarenmesse soll vor allem der internationale Aspekt der Spieleerfindermesse gestärkt werden. Einen ebenso behutsamen Umgang versprechen die Nürnberger mit den Internationalen Spieltagen Spiel, jedoch als eigenständige Messe. „Ich glaube nicht, dass Besucherinnen und Besucher überhaupt merken werden, dass die Spiel einen neuen Eigentümer hat“, sagt Metzler abschließend.

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Spielwarenmesse eG
Die Spielwarenmesse eG ist der Messeveranstalter und Marketingdienstleister für die Spielwarenbranche und weitere Konsumgütermärkte. Das Nürnberger Unternehmen veranstaltet die laut Selbstauskunft weltweit führende Spielwarenmesse in Nürnberg sowie die Kids India in Mumbai und die Insights-X in Nürnberg. Das Leistungsspektrum der Genossenschaft umfasst auch Industrieaktionen und das internationale Messeprogramm World of Toys by Spielwarenmesse eG, das Hersteller mit Gemeinschaftsbeteiligungen auf Fachmessen in Asien, Russland und in den USA führt. Weltweit ist die Spielwarenmesse eG durch Repräsentanten in über 90 Ländern vertreten. Zusätzlich sind die Tochterunternehmen Spielwarenmesse Shanghai Co., Ltd. für die VR China und die Spielwarenmesse India Pvt. Ltd. für Indien zuständig. Die Genossenschaft ist mehrheitlich an der Messedurchführungsgesellschaft Grand Expo beteiligt, die die Kids Russia in Moskau organisiert. Das Tochterunternehmen Die roten Reiter GmbH mit Sitz in Nürnberg arbeitet als Kommunikationsagentur für die Konsum- und Investitionsgüterindustrie. Das komplette Unternehmensprofil der Spielwarenmesse eG ist unter www.spielwarenmesse-eg.de verfügbar.  

Spiel
Die Spiel startete 1983 als Lesertreffen einer Bonner Fachzeitschrift für Spiele mit zwölf exklusiv angesprochenen Ausstellern unter dem Titel „Deutsche Spielertage“ in der Essener Volkshochschule. 1984 verzeichnete die Veranstaltung bereits 15.000 Besucher und zog im Folgejahr auf das Essener Messegelände. Schnell  entwickelte  sich  die  SPIEL  zur weltweit  größten  Publikumsmesse für  Gesellschafts-,  Karten- und Rollenspiele. Spieleverlage aus aller Welt stellen hier die neuesten Trends und Entwicklungen erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor und geben den Besuchern die Möglichkeit, ihre Neuheiten vor Ort auszuprobieren und auch zu kaufen. Im Rahmen der Spiel wird jährlich der Publikumspreis “Deutscher SpielePreis“ sowie der „innoSPIEL“ für eine besonders innovative Spielidee vergeben.