Umsatz mit Spielen und Puzzles im Corona-Jahr 2020 um 21 Prozent gestiegen

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Der Umsatz mit Gesellschaftsspielen und Puzzles ist in Deutschland im Corona-Jahr 2020 laut Branchenverband Spieleverlage um 21 Prozent auf deutlich über 700 Millionen gestiegen. Der Gesamtmarkt für Spielwaren wuchs nach Verbandsangaben um neun Prozent.


In diesem Artikel dreht sich alles um den Umsatz mit Gesellschaftsspielen im Corona-Jahr 2020. Details zum Umsatz mit Spielwaren findet ihr in unserem Artikel Umsatz mit Spielwaren in Deutschland 2020 um neun Prozent gestiegen.

Die Brettspielbranche wächst seit Jahren. Corona hat diese Entwicklung beschleunigt. Der Umsatz mit Gesellschaftsspielen und Puzzles betrugt 2020 laut Spieleverlage deutlich mehr als 700 Millionen Euro, nach unseren Berechnungen etwa 718 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es knapp 600 Millionen Euro. Der Umsatz ohne Puzzles, also nur mit Gesellschaftsspielen, betrug laut Spieleverlage 2020 mehr als 600 Millionen Euro. Für Spielwaren gaben die Deutschen 2020 laut Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) etwa 3,7 Milliarden Euro aus.

Von dem Wachstum profitierten nicht alle Verlage gleichermaßen. Der Ausfall der Messe Spiel in Essen wegen Corona treffe vor allem Kleinverlage hart. „Viele von ihnen erwirtschaften einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes auf dieser Veranstaltung“, sagte Henning Poehl, Vorstand der Vertriebsgenossenschaft Spiel direkt, schon im August im Interview mit kulturgutspiel. Das sieht auch Herman Hutter so. Der Spieleverlage-Vorsitzende sagt: „Kleinere Verlage tun sich  in der Krise beim Verkauf ihrer Spiele schwerer als in allen Kanälen etablierte Verlage. Üblicherweise sind kleinere Verlage viel auf Messen vertreten, die derzeit nicht stattfinden. Auch deren Stamm-Kunden, die kleineren Fachgeschäfte, waren durch Corona längere Zeit geschlossen, was ebenfalls den Absatz erschwert hat. Im übrigen waren 2020 bekannte Spielklassiker stärker als üblich gefragt.“

Beliebte Familen- und Erwachsenenspiele

Den größten Anteil an der Umsatzsteigerung bei Gesellschaftsspielen hätten mit einem Plus von 37 Prozent Familien- und Erwachsenenspiele gehabt. Der Umsatz mit Kartenspielen sei um 17 Prozent gestiegen, mit Reisespielen um zwölf und mit Kinderspielen um elf Prozent. Seit Jahren anhaltende Trends wie Exit/Escape-Spiele seien weiter gefragt, zunehmend auch Logik- und Brainteaser-Spiele. Bereits vor wenigen Tagen hatte Kosmos verkündet, dass sich im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Exit-Spiele verkauft hätten. Auch zahlreiche andere Verlage haben Escape-Spiele im Sortiment. Die Nachfrage nach komplexeren Experten- und Kennerspielen habe sich etabliert. Obwohl wegen der Corona-Pandemie viele Kinofilme verschoben wurden, seien Lizenzprodukte mit rund 24 Prozent Wachstum ein Trend geblieben.

Puzzles für Erwachsene erzielten 2020 fünfzig Prozent mehr Umsatz als 2019, Kinderpuzzles 15 Prozent mehr. Als Folge seien Puzzles oft ausverkauft gewesen, so dass Hersteller Probleme gehabt hätten, mit der Produktion der nachzukommen.

Corona-Auswirkungen auf Fachhandel

Die Branche leide unter den wegen Corona 2020 abgesagten Messen und Veranstaltungen. Einige Veranstaltungen wurden durch digitale Messen und Präsentationen ersetzt, dennoch hoffe die Branche, dass ab Herbst wieder Spieleveranstaltungen möglich seien.

Ein schwieriges Jahr sei es für den stationären Fachhandel gewesen. Die coronabedingten Schließungen hätten das Geschäft über Wochen negativ beeinflusst. Die versprochenen staatlichen Hilfsmaßnahmen seien nur spärlich und oft sehr spät geflossen. „Wir fordern, dass die Regierung den Fachhändlern, die unverschuldet in die Krise gekommen sind, schnell die notwendigen Hilfen zukommen lässt, um die Existenz der Händler und die Vielfalt des Angebotes zu sichern“, sagt Hutter. Marktanteile hätten dagegen der Onlinehandel sowie die großen Lebensmittel- und Drogeriemärkte gewinnen können. Zunehmend wichtige Absatzkanäle für Spiele seien auch der Buch- sowie der Geschenke- undSchreibwarenhandel.

Umsatzmeldungen von Kosmos, Ravensburger und Schmidt Spiele

Neben dem Branchenverband Spieleverlage haben auch Hasbro, Kosmos, Ravensburger und Schmidt Spiele Umsatzzahlen für 2020 veröffentlicht.

Der Umsatz von Hasbro ist laut eigenen Angaben 2020 um acht Prozent auf etwa 4,51 Milliarden Euro gesunken. Der Nettogewinn habe im vergangenen Jahr etwa 183,47 Millionen Euro betragen. Der Umsatz bei Hasbro Gaming sei überdurchschnittlich stark um 15 Prozent gewachsen. Der Umsatz im Spielesegment habe im Corona-Jahr 2020 etwa 1,45 Milliarden Euro betragen. Im Geschäftsbericht wurden dabei vor allem die gestiegenen Umsätze mit Magic: The Gathering und Monopoly hervorgehoben.

Kosmos ist laut eigenen Angaben 2020 auf Platz acht der umsatzstärksten Spielwarenlieferanten in Deutschland geklettet. Zu den Wachstumstreibern zählten neben den Brettspielmarken Catan, Exit – Das Spiel, Ubongo und Die Legenden von Andor auch Die Crew sowie MyCity. Von My City, das als Spiel des Jahres 2020 nominiert war, seien im vergangenen Jahr 50.000 Exemplare verkauft worden. Mit 1,5 Millionen verkauften Spielen in 2020 habe sich Exit -Das Spiel zur erfolgreichsten Brettspielmarke entwickelt und die bisherige langjährige Top-Spielemarke Monopoly auf den zweiten Platz verwiesen. Neben den Spielen haben sich auch das Segment Experimentieren positiv entwickelt. Der Umsatz mit den Experimentierkästen sei im Vergleich zum Vorjahr um über dreißig Prozent gestiegen, der Marktanteile in diesem Segment auf über 60 Prozent.

Ravensburger hat laut eigenen Angaben seinen Umsatz 2020 um zwanzig Prozent auf 632 Millionen Euro gesteigert. Besonders gefragt waren laut Unternehmen Spieleklassiker, Kinderbücher, tiptoi-Produkte, die Kugelbahn GraviTrax sowie Denk- und Logikspiele von ThinkFun. Die Kategorie Spiele sei in der Unternehmensgruppe im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent gwachsen. Es seien insgesamt 25 Millionen Spiele verkauft worden. Das Spiel Das verrückte Labyrinth habe sich 1,2 Millionen Mal verkauft, Memory über zwei Millionen Mal. Der Absatz der Denk- und Logikspiele der Marke ThinkFun habe sich um über 33 Prozent (nach Stückzahl) gesteigert. Top-Produkt sei mit über 475.000 verkauften Stück das Spiel Gravity Maze gewesen. Ravensburger habe außerdem 28 Millionen Puzzles verkauft, 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Schmidt Spiele hat laut eigenen Angaben den Umsatz 2020 um vierzig Prozent auf 63 Millionen Euro gesteigert. Brett-, Karten- und Würfelspielen hätten ein Plus von 37 Prozent zum Vorjahr erzielt, Puzzles ein Plus von 66 Prozent. Mit Spielen habe das Unternehmen einen Umsatz von 42,2 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Plus von 37 Prozent zum Vorjahr. Besonders beliebt seien das Kinderspiel Monsterjäger aus dem Jahr 2018 gewesen sowie die Roll-&-Write-Reihen Noch mal! und das 2018 zum Kennerspiel des Jahres nominierte Ganz schön clever mit den zwei Fortsetzungen. Aber auch Klassiker seien nach wie vor gefragt. Mensch ärgere Dich nicht habe sich inklusive der Spielsammlungen mehr als eine Million Mal verkauft, eine Steigerung um 25 Prozent zum Vorjahr. Kinffel habe sich inklusive der Spielesammlungen 1,4 Millionen Mal verkauft.