Foto: Koelnmesse, gamescom

Gamescom Cards & Boards: Analoge Brettspiele treffen digitale Games

Die Gamescom will in diesem Jahr nicht nur digitale Games präsentieren, sondern auch analoge Brettspiele. Nicht alle Verlage sind davon überzeugt. Pegasus und Ravensburger wollen sich auf der Gamescom präsentieren. Kosmos, Schmidt und Amigo nicht.


Die Gamescom ist die weltgrößte Messe für Computer- und Videospiele. Dieses Jahr sollen dort nicht nur digitale Games präsentiert werden, sondern auch analoge Gesellschaftsspiele. Der neue Bereich heißt Cards & Boards. „Die Ergänzung passt zu unserem Ansatz, dass die Gamescom ein ganzheitliches Festival für Gaming-Fans ist. Dazu gehört es auch, die vielzähligen Interessen der Spielenden entsprechend abzubilden“, sagt Tim Endres, Direktor der Gamescom.

Zweiter Anlauf: Gesellschaftsspiele auf Gamescom

Bisher sind Gesellschaftsspiele auf der Gamescom kaum vertreten: In der Merchandise-Area können Interessierte seit Jahren Sammelkarten kaufen. Konami war und ist mit Yu-Gi-Oh! schon länger ein fester Bestandteil der Messe. Das wars. Im vergangenen Jahr sollte sich das ändern. Die Messe wollte 2023 Brettspiel-Verlage als Aussteller gewinnen. Die Nachfrage hielt sich jedoch in Grenzen. Nur Ravensburger und der Verein „Spiel des Jahres“ waren als bekannte Branchenvertreter vor Ort.

Ravensburger präsentierte neben Minecraft und Villainous vor allem Lorcana. „Unsere Erfahrungen auf der Messe waren durchweg positiv. Wir hatten einen guten Besucherzulauf“, sagt Steffen Vierrether von Ravensburger. Bis zu einer Stunde hätten Besucherinnen und Besucher angestanden, um Lorcana auszuprobieren und Promokarten zu erhalten. „Die Gamescom war für ein neues TCG ideal, um die erste Aufmerksamkeit zu generieren“, sagte Vierrether.

Auch der Verein „Spiel des Jahres“ zieht eine positive Bilanz.

„Wir haben eine überwiegend gute Resonanz gehabt, insbesondere an den Nachmittagen. Das Interesse an Dorfromantik war riesig, aber auch unseren anderen ausgezeichneten und empfohlenen Spiele stießen auf Nachfrage. Challengers, Planet Unknown, Hitster, Fun Facts, Mantis, Akropolis und That’s not a Hat wurden am häufigsten gespielt. Jedenfalls haben wir in Köln eine Zielgruppe erreicht, die wir auf einer Veranstaltung wie die Spiel Essen teilweise nicht erreichen.“

Harald Schrapers, Vorsitzender der Spiel-des-Jahres-Jury

Beide standen in Halle 5, der Merchandise Area. Dort werden vor allem Fanartikel, Accessoires und Goodies rund um Games verkauft. Die Jury war mit dem Standort unzufrieden. Wo Karten- und Brettspiele 2024 präsentiert werden, ist noch unklar. „Wir wollen alle Ausstellenden von Cards & Boards in einem Bereich zusammenbringen. In welcher Halle das genau sein wird, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben“, sagt Endres. Der Standort hängt auch vom Interesse der Verlage ab und der damit verbundenen Größe der Brettspielfläche.

Unterschiedliches Interesse der Verlage

Der Verkauf der Standflächen für Cards & Boards läuft. Verlage, die sich bis Ende Februar anmelden, profitieren vom Frühbucherrabatt. Statt 125,50 Euro pro Quadratmeter zahlen sie 110,50 Euro. Hinzu kommen messeüblichen Nebenkosten, zum Beispiel für Strom.

Zum Stand der Anmeldungen wollte die Gamescom zu diesem frühen Zeitpunkt noch nichts sagen. Wir haben deshalb bei einigen großen Verlagen nachgefragt. Hier die nicht repräsentativen Antworten: Ravensburger wird 2024 wieder dabei sein. „Ich finde den Schritt persönlich sehr gut, da es sehr große Zielgruppenüberschneidungen in den Bereichen Gaming sowie Cards & Boards gibt. Es bleibt aber abzuwarten, wie die Gamescom das Umsetzen wird und welche Aussteller daran teilnehmen. Damit wird das Konzept stehen oder fallen“, sagt Vierrethervon Ravensburger

Auch Pegasus wird mit einem Stand auf der Messe vertreten sein. „Das Programm steht noch nicht fest. Sicherlich wird es die bei Videospielerinnen und -spielern beliebten Rollenspiele umfassen, unter anderem das neue Rollenspiel Avatar Legends“, sagt Sofie Kunert von Pegasus. Zusätzlich will Pegasus Dorfromantik präsentieren, das Spiel des Jahres 2023, das auf einem Computerspiel basiert. Amigo, das in Deutschland Pokémon vertreibt, verzichtet auf eine Teilnahme. Gleiches gilt für Kosmos und Schmidt Spiele. Asmodee hat auf unsere Anfrage nicht geantwortet. „Wir schätzen die Gamescom allerdings durchaus für die Brettspielbranche als interessant ein und schließen zukünftige Teilnahmen nicht aus“, sagt Anna Satrapa von Kosmos. Auch Schmidt Spiele wird sich vor Ort das Konzept anschauen und dann über eine mögliche Teilnahme 2025 entscheiden. Beim Verein Spiel des Jahres ist noch keine Entscheidung gefallen. „Ob wir in diesem Jahr wieder dabei sind, ist noch nicht entschieden“, sagt Schrapers.

„Unsere Erwartung ist es nicht, mit Cards & Boards direkt eine ganze Halle zu füllen. Der Bereich soll sich, wie so viele andere der Gamescom Areas, kontinuierlich entwickeln und über die Jahre wachsen“, sagt Endres. „Wir freuen uns über alle Verlage, Unternehmen und Organisationen, die an der Gamescom 2024 teilnehmen möchten: Von Pen & Paper über Tabletop Games hin zu klassischen Gesellschafts- oder Sammelkartenspielen sind alle analogen Spiele willkommen.“

Cards & Boards: Konkurrenz für Spiel Essen?

Während die Gamescom versucht, den Brettspielbereich aufzubauen, sind andere Spielemessen bereits etabliert, zum Beispiel die Spiel doch, die Berlin Brettspiel Con und natürlich die Spiel Essen. „Wir sehen uns nicht in direkter Konkurrenz zur Spiel. Wir sind vielmehr eine weitere, große Chance für Verlage und Unternehmen. Bei uns können sie eine interessierte Community treffen, die nicht auf Veranstaltungen unterwegs ist, die sich primär auf klassische Gesellschaftsspiele fokussieren“, sagt Endres.

Auch die Spiel stört sich nicht an Cards & Boards. „Auf der Gamescom gab es immer wieder Brett- und Kartenspiele zu sehen. Das ist nicht neu. Wir sehen das nicht als Konkurrenz, sondern finden es schön, dass unser aller Hobby an vielen Stellen präsentiert wird. Dadurch bekommen Besucherinnen und Besucher der Gamescom bestimmt auch Lust, sich umfangreich mit Brettspielen zu beschäftigen und vielleicht mal die Spiel Essen zu besuchen“, sagt Carol Rapp, Geschäftsführerin der Spiel.

Alle Angaben stammen von den Veranstaltern und beziehen sich sowoeit nicht anders angegeben auf 2023.

Die Gamescom ist nicht nur eine Publikumsmesse, sondern nach eigenen Angaben auch die größte Businessplattform für die Gamesbranche in Europa. Auch die Spiel will das B2B-Geschäft ausbauen. Das sagte Rapp im Interview mit kulturgutspiel.de. Allerdings soll der Fokus dabei auf der Brettspielbranche liegen. Das gilt auch für den Publikumsbereich. „Die Spielewelt entwickelt sich beständig weiter und auf der Spiel zeigen die Aussteller immer ihre neuesten Ideen. Sollten digitale Anbieter auf uns zukommen, sind wir offen. Wir planen aber derzeit keinen Digital-Bereich“, sagt Rapp.

Übrigens: Die Gamescom gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. „Die Gamescom Asia hat 2023 erstmals einen B2C-Bereich eröffnet, in dem auch Boardgames präsentiert wurden. Gamescom Latam in Brasilien startet 2024 erstmalig als Format. Beide Events sind also im Vergleich zur Gamescom in Köln noch recht jung. Ob und inwieweit Gesellschaftsspiele auch dort eine Rolle spielen werden, hängt auch davon ab, wie stark das von den Communitys vor Ort gewünscht ist“, sagt Endres.

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