Corona ist auch ein Brettspiel

Corona heißen nicht nur ein mexikanisches Bier und eine Stadt in Kalifornien, sondern auch ein Brettspiel. Um dabei zu gewinnen, sollte man sich anders verhalten als während der aktuellen Covid-19-Pandemie.


Alex Randolph hat Klassiker wie Sagaland, Tempo kleine Schnecke und Inkognito geschaffen, aber auch das Spiel Corona. Das lateinische Wort bedeutet Krone beziehungsweise Kranz. Das Corona-Brettspiel erschien erstmals 1974 bei Ravensburger in der Casino-Serie. In der Anleitung stand damals: „Corona ist ein Würfelspiel mit einem völlig neuem Spielprinzip, bei dem der Zufall ausgeschlossen ist – oder besser gesagt – der Zufall weder hilft noch hindert. Die Würfel bestimmen nur eine Ausgangssituation. Dann kann jeder Spieler damit etwas tun – oder auch nicht.“

Wer Abstand hält, verliert

Auch in der Covid-19-Pandemie standen zahlreiche Politiker vor einer Ausgangssituation und mussten Entscheidungen treffen und Maßnahmen ergreifen. Was tun? Was nicht? Die meisten entschieden sich dafür, das öffentliche Leben herunterzufahren und Kontaktsperren zu erlassen. Wer beim Corona-Brettspiel auf Abstand geht, verliert sehr wahrscheinlich.

Sechs Figuren stehen auf Feldern eines Kreises. Ein Spieler wirft sechs farbige Würfel. Die Ergebnisse geben vor, wie weit sich die entsprechende farbige Figur bewegen muss. Der Clou: Zu Beginn einer Runde sind die Figuren nicht farblich markiert. Das übernehmen die Spieler nach einer kurzen Denkphase. In dieser muss jeder überlegen, welche Farbe er welcher Figur zuordnen möchte und in welcher Reihenfolge er die Figuren ziehen möchte. Je mehr Figuren auf dem Feld stehen, auf dem die gerade gezogene Figur stoppt, desto besser, desto mehr Punkte erhält man. Der Tipp des Autors: „In jedem Fall sollte man versuchen, möglichst viele Spielfiguren auf einem Feld zusammenzubringen.“

Corona begeisterte und wurde immer wieder neu aufgelegt, mit anderen Namen und mit leicht veränderten Regeln: 1982 als Moonstar bei Avalon Hill, 1984 als Harun bei Edition Perlhuhn, 1993 als Orbit unter dem Label 
“franckh Spiele-Galerie” der Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. Eins blieb aber immer gleich: Was in der nächsten Runde passieren wird, weiß man nicht. Erst wenn die Würfel gefallen sind, versuchen alle, das Beste aus der Situation zu machen. Ganz wie in der aktuellen Corona-Pandemie. Ob Politiker dabei die richtigen Entscheidungen getroffen haben, werden wir anders als im Spiel nicht nach wenigen Minuten, sondern wahrscheinlich erst in Monaten wissen.

Randolph war übrigens ein Spieleautor, der auch die Kunst der Konversation pflegte. In dem Buch „Die Sonnenseite. Fragmente aus dem Leben eines Spieleerfinders“ sinniert er neben einem Foto seines Spiels Corona über Würfel. Was, wenn Würfel bereits gewürfelt wurden, aber noch unter einem Becher liegen? Die Antwort passt zur aktuellen Corona-Lage.

„Sie [die Würfel] liegen unter dem Becher – aber in der Gegenwart oder in der Zukunft? Bevor die Würfel geworfen wurden, konnte es jede x-beliebige Zahl sein. Aber jetzt, kann jetzt auch noch jede Zahl möglich sein? Nein! Ich habe immer folgendes Bild gehabt: Der liebe Gott befindet sich in einem Hubschrauber. Und er beobachtet uns. Er sieht zum Beispiel ein Auto, das in die Wüste fährt. Der Fahrer kennt seine Vergangenheit, er kennt seine Gegenwart, aber er weiß nicht, was vor ihm liegt. Der liebe Gott im Hubschrauber weiß aber genau, was auf diesen Menschen zukommen wird. Für ihn ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eins.“

Alex Randolph, Die Sonnenseite. Fragmente aus dem Leben eines Spieleerfinders

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