Altered. Foto: Equinox

Sammelkartenspiel Altered: Neues Geschäftsmodell für Trading Card Games

Altered könnte das Geschäft mit Trading Card Games für immer verändern – mit einem digitalen Marktplatz, einzigartigen Karten und einem „Print on Demand“-Service.


Erst Libellud, dann Equinox
Das Unternehmen hinter Altered heißt Equinox. Régis Bonnessée gründete es 2020. Das Geld dafür stammte aus einem Geschät mit Asmodee. Im Sommer 2020, kurz vor dem Start von Equinox, verkaufte Bonnessée Libellud an Asmodee. Der Verlag war und ist bekannt für Spiele wie Dixit, Mysterium und Dice Forge. Bonessée hatte Libellud 2008 gegründet. Seit dem Verkauf an Asmodee arbeitet er mit dem Exquinox-Team an Altered. Ab dem 30. Januar 2024 soll das Sammelkartenspiel auf Kickstarter der Öffentlichkeit präsentiert werden. Vertrieben wird Altered weltweit in fünf Sprachen von Asmodee.

Elfen in Magic, Mickey Maus in Lorcana, Pikachu in Pokémon: So unterschiedlich die Welten der großen Trading Card Games (TCG), so ähnlich das Geschäftsmodell dahinter. Karten werden zufällig auf Tütchen verteilt, sogenannte Booster. Wollen Spielerinnen und Spieler eine bestimmte Karte besitzen, müssen sie viel Geld ausgeben. Entweder sie investieren so lange in Booster bis sie die gesuchte Karte finden. Oder sie kaufen die Karte direkt, zum Beispiel über einen Online-Marktplatz. Je seltener die Karte, desto teurer ist das. Das Sammelkartenspiel Altered könnte das ändern.

Digitaler Token wertvoller als analoge Karten

Neben bunten Illustrationen prangen auf Altered-Karte schwarzweiße QR-Codes. Jeder Code ist einzigartig. Mit ihm können Spielerinnen und Spieler Karten in der Altered-App registrieren und mit ihrem Online-Konto verknüpfen. Es entstehen digitale Duplikate der analogen Karten. Das Prinzip ist nicht neu: Wer Magic-Decks kauft, kann sie ebenfalls mit einem Online-Konto verknüpfen. Bei Magic funktioniert das mit kompletten Decks, bei Altered mit einzelnen Karten.

Bei Altered ist jede Karte eine Art Stellvertreter (Proxy) für einen digitalen Token. Der Token repräsentiert den eigentlichen Wert der Karte. „Solange man den Token besitzt, kann man sich die Karte gegen eine geringe Gebühr beliebig oft ausdrucken lassen, sogar in verschiedenen Sprachen. Geliefert wird weltweit. Gedruckt wird in der Fabrik, die auch alle anderen Altered-Produkte herstellt“, heißt es auf der Altered-Homepage.

Equinox kontrolliert Handel mit Karten

Spielerinnen und Spieler können ihre Tokens über die App verkaufen. Ausgedruckte Karten dürfen sie nach dem Verkauf behalten und damit weiter am Küchentisch spielen. Die neuen Besitzerinnen oder Besitzer der Token können sich per Print on Demand weitere Kopien der Karten ausdrucken lassen. Nur bei Turnieren müssen alle Personen ihre analogen Karten auch digital besitzen.

Der Vorteil für Freizeitspielerinnen und -spieler: Sie sparen Geld. Der Vorteil für Equinox: zusätzliche Einnahmen. Mit der App, dem zentralen digitale Marktplatz, kontrolliert Equinox den Handel. So verdient der Verlag nicht nur an Boostern, sondern auch an allen anderen Verkäufen. Für jede Transaktion kassiert Equinox eine Gebühr. Sie soll drei bis vier Prozent des Verkaufspreises betragen.

Die Magic-Karte „Fraternal Exaltation“ wird auf Cardmarket für knapp 60.000 Euro angeboten. Mit dem bisherigen Geschäftsmodell verdienen Verlage keinen Cent an der Transaktion. Wäre es dagegen eine Altered-Karte, die über die App gehandelt würde, bekäme Equinox bei einer Gebühr von vier Prozent 2.400 Euro. Cardmarket ginge leer aus. Zudem kassiert Equinox jedes Mal, wenn Karten neu gedruckt werden.

Bildschirmfoto: https://www.cardmarket.com/de/Magic/Policies/Fees
Seiten wie Cardmarket verdienen ihr Geld mit Gebühren für Transaktionen. Bildschirmfoto: www.cardmarket.com/de/Magic/Policies/Fees

Algorithmus erstellt einzigartige Karten

Ob bei Altered je Preise erzielt werden wie bei Magic, muss sich zeigen. Um das Geschäft anzukurbeln, gibt es bei Altered neben gewöhnlichen und seltenen auch einzigartige Karten. Das erinnert an Keyforge. Dort existierten einzigartige Decks. „Deine [von einem Algorithmus] generierte Karte wird niemals anderswo [auf der Welt] in der exakt gleichen Kombination von Werten und Regeln existieren”, heißt es bei Equinox. Der Algorithmus solle keine zu starken Karten erzeugt. Ob das klappt, bleibt abzuwarten. Das gilt auch für die Zuverlässigkeit des Algorithmus. Zur Erinnerung: 2021 sorgte ein Problem im Keyforge-Algorithmus dafür, dass keine neuen Decks mehr generiert werden konnten.

Weitere Raritäten sind exklusive Karten, zum Beispiel Promos. Während normale Karten beliebig oft gedruckt werden können, gibt es bei exklusiven Karten Einschränkungen. „Sie können nur einmal pro Jahr gedruckt werden. Danach startet in der App eine Uhr. Sie zeigt an, wann das Recht zum Nachdruck wieder verfügbar ist“, schreibt Equinox. Natürlich gibt es auch folierte, also glitzernde, Karten. Bei anderen TCGs stecken sie in Boostern. Bei Altered gibt es Foiler-Karten – gewöhnliche, seltene oder einzigartige. Mit jedem Foiler kann man eine beliebige Karte der entsprechenden Stufe aus der eigenen Sammlung aufwerten. Hat man eine Karte aufgewertet, kann man sie gegen eine Gebühr foliert ausdrucken lassen.

Vor- und Nachteile für Handel

Mit Sammelkarten lässt sich Geld verdienen. Das gilt nicht nur für den Verkauf von Boostern und Displays, sondern auch für den Handel mit TCGs. Händler und Seiten wie Cardmarket oder TCG Player haben sich darauf spezialisiert. Wenn Equinox mit Altered Erfolgt hat, könnten andere Verlage nachziehen und ebenfalls eigene digitale Marktplätze aufbauen. Für Händler wäre das eine schlechte Nachricht.

Altered. Foto: Equinox
Wie bei anderen TCGs wird es bei Altered Starterdecks, Booster und Displays geben. Booster sollen 3,99 Euro kosten, Starterdecks 14,99 Euro. Die erste Erweiterung ist für Januar 2025 geplant. Danach sollen alle vier Monate neue Erweiterungen erscheinen. Foto: Equinox

Equinox versucht, die Händlerinnen und Händler zu beruhigen: „Als Händler haben Sie Zugang zu einem Konto mit Privilegien, die nur für Sie gelten. Insbesondere werden Sie bei Transaktionen über den Marktplatz bevorzugt behandelt.“ Equinox macht außerdem Vorschläge für neue Einnahmequellen: Unternehmen könnten sich auf den Handel mit digitalen Tokens spezialisieren. Oder sie drucken Karten, die sie digital besitzen, massenweise aus und verkaufen sie an Freizeitspielerinnen- und -spieler. „Kunden können die Karten direkt im Geschäft mitnehmen und müssen nicht wie bei Print on Demand einige Tage auf die Lieferung warten“, schreibt Equinox. Außerdem könne der Handel Karten günstiger anbieten, da er von den Rabatten für Massendrucke profitiere. Und dann bestünde noch die Möglichkeit, digitalen Tokens zu verschenken. Das ermögliche das Teilen, Verkaufen und Handeln von Karten außerhalb des Marktplatzes.

Händlerinnen und Händler müssen sich überlegen, ob und wie sie mit Altered Geld verdienen können oder wollen. Equinox muss zeigen, dass es tatsächlich in der Lage ist, das Geschäft mit TCGs für immer zu verändern. Eine Voraussetzung dafür ist es, Altered erfolgreich am Markt zu platzieren. Das ist komplizierter als es klingt. Schließlich tummeln sich dort bereits Elfen, Mickey Maus und Pikachu.

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