Mark Twain: „Kalenderdaten sind sehr wertvoll“

Mark Twain ist nicht nur ein bekannter Buch-, sondern auch ein Spieleautor. Er hat Memory Builder erfunden. Das Spiel war jedoch kein kommerzieller Erfolg – vielleicht auch, weil die Anleitung für damalige Verhältnisse zu kompliziert war.


Hinweis: Der Beitrag erschien erstmals 2010 auf zuspieler.de.

Mein Vater ist Schuld. Er hat mich auf einen Artikel über Mark Twain in der Frankfurter Sonntagszeitung aufmerksam gemacht. Dort stand in einem Info-Kasten:

Am 18. August 1885 schließlich ließ sich Twain unter der Nummer 324535 das Patent für ein Brettspiel erteilen, in dem es auf die korrekte Zuordnung von historischen Ereignissen und Jahreszahlen ankommt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Ein bekannter Buchautor als Spieleerfinder? Die Idee für eine neue Serie auf zuspieler.de war geboren. Ab sofort stelle ich in losen Abständen Berühmtheiten vor, die Brett- oder Kartenspiele entwickelt haben. Los geht’s mit – welche Überraschung – Mark Twain.

“Komplexe Regeln und abschreckendes Design”

Twain ist vor allem als Erfinder der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt. In seinen Werkken beschreibt er den alltäglichen Rassismus der damaligen Zeit. Seine Protagonisten durchschauen die Heuchelei und Verlogenheit der herrschenden Verhältnisse. Die Bücher des 1835 geborenen Autors sind heute weltbekannt. Sein Spiel Memory Builder nicht. Wer danach sucht, findet trotzdem zahlreiche Hinweise im Netz darüber.

Die Seite twainquotes.com weiß mehr über das Spiel. Laut dieser maß das Spielbrett ungefähr 23 mal 34 Zentimeter und war etwa sechs Millimeter dick. Die Anleitung hatte Mark Twain selbst geschrieben und auf die Vorder- sowie Rückseite des Brettes geklebt. Ausgeliefert wurde das Spiel mit verschiedenfarbigen Stecknadeln, mit denen die Spieler Jahreszahlen markieren.

Der kommerzielle Erfolg bliebt aus – vielleicht, weil die Anleitung für damalige Verhältnisse zu kompliziert war. Für heutige Profi-Spieler ist diese kein Problem. Wer die Regeln zu Agricola gelesen und verstanden hat, kommt mit den Instruktionen zu Memory Builder allemal klar. Andere Personen kritisierten die Gestaltung. Einer schimpfte: „Das Spiel sieht aus wie eine Mischung zwischen einer Einkommenssteuer- und einer Logarithmustabelle.“

Spielablauf von Memory Builder

Prinzipiell funktioniert das Spiel so: Die Spieler sind abwechselnd an der Reihe. Sie wählen ein bestimmtes Jahr aus, dem sie ein historischen Datum zuordnen können. Der aktive Spieler sticht eine Nadel in die entsprechende Zahl und markiert dieses Jahr für sich. Dabei gilt, dass Zahlen für unterschiedliche Jahrhundert stehen, die 15 zum Beispiel für 1815 oder 1915.

Nun nennen die Spieler den historischen Fakt, der zu diesem Jahr passt. Twain unterteilte die Fakten, die genannt werden können, in drei Hauptkategorien. Je nach Kategorie gibt es unterschiedliche Siegpunkte:

  • Amtsantritte (zum Beispiel James I bestieg den englischen Thron, 1603, 10 Siegpunkte)
  • Schlachten (zum Beispiel Waterloo 1815, 5 Siegpunkte)
  • Kleinere Geschehnisse (zum Beispiel Geburtsjahr von Shakespeare 1564, 1 Siegpunkt)

Zusätzlich ist es möglich, Punkte durch „Miscellaneous Facts“ zu erzielen. Darunter fallen Fragen, deren Antworten sich nicht einem Jahr zuordnen lassen, die aber eine Nummer sind. Beispiel: Wie viele Planten gibt es in unserem Sonnensystem? Oder wie viele Brettspiele hat der Verlag XY bereits veröffentlicht?

Das Spiel endet nach einer festgelegten Zeitspanne.

Neugierig geworden? Dann empfehle ich Dir die folgenden Links, dort kannst Du das Spielbrett herunterladen oder Memory Builder im Internet spielen. Viel Spaß damit.

Links

Weitere Beiträge

Schreibe einen Kommentar