Embracer Group will Asmodee von PAI Partners übernehmen

Der schwedische Games-Konzern Embracer Group will das Brettspielunternehmen Asmodee für 2,75 Milliarden Euro übernehmen. Asmodee selbst und die Asmodee-Aktionäre müssen noch ihre Zustimmung erteilen. Mit der Übernahme könnten sich analoge Brettspiele und digitale Games noch schneller annähern.


Sollte die Übernahme gelingen, entstünde bei der Embracer Group ein neuer Geschäftsbereich. Aktuell besitzt die Gruppe acht eigenständig operierende Geschäftseinheiten: THQ Nordic (seit 2011), Coffee Stain (seit 2018), Koch Media/Deep Silver (seit 2018), Amplifier Game Invest (seit 2019), Saber Interactive (seit 2020), DECA Games (seit 2020), Gearbox Entertainment (seit 2021) und Easybrain (seit 2021). Asmodee wäre der neunte Geschäftsbereich.

Nach der Übernahme soll Asmodee laut Pressemitteilung als eigenständige Operating Group weiterarbeiten wie bisher. In der Organisation des Unternehmens soll es keine Änderungen geben. Geschäftsführer Stéphane Carville und das Management sollen im Amt bleiben.

Die beiden Unternehmen würden zusammen mehr als 100 Spielentwicklungsstudios, über 500 eigene Intellectual Properties (IPs) und Marken besitzen sowie mehr als 11.300 Mitarbeiter in mehr als fünfzig Ländern beschäftigen.

Mehr digitale Brettspiele

Asmodee könnten durch die Übernahme noch schneller im Bereich der digitalen Games expandieren. Asmodee investiert bereits seit längerem in dieses Feld. Unter anderem hat die Unternehmensgruppe in diesem Jahr die Online-Brettspielplattform Board Game Arena (BGA) übernommen. BGA bietet mehr als 280 digitale Umsetzungen von Spielen und hat laut Selbstauskunft mehr als 5,8 Millionen Mitglieder. Asmodee Digital hat außerdem zahlreiche Brettspiele als digitale Games umgesetzt, darunter Terraforming Mars, Gloomhaven, Ticket to Ride (Zug um Zug), Carcassonne, Splendor und Catan.

Bereits im Jahr 2017 sagte Philippe Dao, damals Chief Marketing Officer bei Asmodee Digital, in einem Interview mit BoardGame Geek. „Unser oberstes Ziel ist es, die größte Community von digitalen Brettspielern aufzubauen, mit einem umfassenden Spiele-Portfolio und der bestmöglichen Spielerfahrung für die Community.“ Die Gameswirtschaft schrieb 2018: „Derzeit besteht das Sortiment [an Smartphone- und PC-Spielen von Asmodee] aus rund 30 Spielen – damit gehören die Franzosen in den Disziplinen ,Downloads‘ und ,Umsatz‘ zu den weltweit relevantesten Anbietern von Brettspiel-Umsetzungen, sowohl in den Appstores als auch bei Steam. Jeweils die Hälfte des Umsatzes stammt aus den USA und aus Europa.“

Kein Wunder, dass Asmodee in der Pressemitteilung zur möglichen Übernahme schwärmt: „Brettspiele und Videospiele ergänzen sich in hohem Maße und üben langfristige Anziehungskraft auf Nutzer weltweit aus.“ Das sieht auch Embracer so. Lars Wingefors, CEO der Embracer Group, sagt: „Asmodee würde Embracer auf dem Weg zu einem führenden, unabhängigen, globalen Gaming-Eco-System voranbringen.“ Weitere positive Effekte durch die Übernahme verspricht man sich in den Bereichen Intellectual Properties (IPs), Vertrieb, Technologie, Spielentwicklung und Transmedia-Projekte.

Schnelles Wachstum

Asmodee wurde 1995 gegründet und ist seitdem stark gewachsen. Seit 2018 befindet sich Asmodee im Besitz des Privat-Equity-Unternehmens PAI Partners. Bereits im September berichtete die französische Zeitung L’agefi, dass PAI Partners Asmodee verkaufen wolle. Ziel war es damals es, einen Preis von 2 Milliarden Euro zu erzielen, 0,75 Milliarden Euro weniger als die jetzt erzielten 2,75 Milliarden Euro. PAI Partners hatte Asmodee 2018 für 1,2 Milliarden Euro vom Privat-Equity-Unternehmen Eurazeo gekauft. Das wiederum kaufte Asmodee 2013 für „nur“ 143 Millionen Euro.

Seit der Investition von PAI im Jahr 2018 sei der Umsatz von Asmodee von 500 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro gestiegen. Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände) sei von 90 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro gestiegen.

Embracer Group
Die Embracer Group ist die Muttergesellschaft von Unternehmen, die PC-, Konsolen- und Handyspiele für den weltweiten Spielemarkt entwickeln und veröffentlichen. Die Gruppe verfügt über einen umfangreichen Katalog von mehr als 250 eigenen Franchises wie Saints Row, Goat Simulator, Dead Island, Darksiders, Metro, MX vs ATV, Kingdoms of Amalur, TimeSplitters, Satisfactory, Wreckfest, Insurgency, World War Z und Borderlands. Die Embracer Group hat ihren Hauptsitz in Karlstad, Schweden, und ist durch ihre acht operativen Gruppen weltweit präsent: THQ Nordic GmbH, Koch Media GmbH/Deep Silver, Coffee Stain AB, Amplifier Game Invest, Saber Interactive, DECA Games, Gearbox Entertainment und Easybrain. Die Gruppe verfügt über 86 interne Spielentwicklungsstudios und beschäftigt mehr als 9.000 Mitarbeiter und Vertragsangestellte in mehr als 40 Ländern.

Asmodee
Die Asmodee-Gruppe ist ein führender internationaler Spieleverlag und -vertrieb mit laut Selbstauskunft über 39 Millionen verkauften Spielen jährlich in fünfzig Ländern. Im Portfolio sind Titel wie Catan, Zug um Zug, Pandemic (Pandemie), Dead of Winter (Winter der Toten), Splendor, 7 Wonders, Just One, Dobble/Spot it! und Star Wars: X-Wing. Asmodee entwickelt außerdem Produkte in Zusammenarbeit mit Unterhaltungs- und Technologieunternehmen. Asmodee beschäftigt weltweit über 2.300 Mitarbeiter und ist in Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien vertreten. Der Hauptsitz von Asmodee befindet sich in Guyancourt, Frankreich.

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