Wörter sind das wichtigste Werkzeug für alle, die über Spiele berichten. Den richtigen Umgang damit kann man lernen – zum Beispiel von Wolf Schneider. Hier zehn Tipps vom Meister.
Transparenzhinweis
Alle Beispiele sind echt, sofern nicht anders angegeben. Sie stammen aus Print-, Radio- und Onlinebeiträgen. Quellenangaben fehlen bewusst. Ziel des Beitrags ist es, typische Formulierungen und Ausdrucksweisen zu beleuchten, nicht Personen oder Redaktionen zu kritisieren.
Jeder Text wird durchs Redigieren besser. Auch ich, Sebastian, habe einen Beitrag von mir auseinander nehmen lassen – von Anne-Kathrin Gerstlauer und vielen weiteren Menschen. Gerstlauer ist Journalistin und Dozentin. Sie leitete unter anderem „Zeit Campus Online“ und schreibt den mehrfach ausgezeichneten Newsletter TextHacks. Das Ergebnis findet ihr im Artikel Redigierte Fake News.
In Redaktionen gehört das Redigieren zum Alltag. Das macht Beiträge besser. Viele, die Brettspiel-Blogs, Podcasts oder Videokanäle betreiben, arbeiten jedoch allein. Das gilt auch für kulturgutspiel.de. Wir haben keine Redaktion, die unsere Inhalte überarbeitet, aber wir haben andere Werkzeuge.
FeedbackGPT von Anne-Kathrin Gerstlauer gibt Rückmeldungen zur Zielgruppe, Struktur und Sprache. Die Wolf-Schneider-KI bringt Beiträge nach den Tipps ihres Namensgebers auf den Punkt. Schneider war einer der einflussreichsten deutschen Journalisten, Sprachkritiker und Ausbilder. Er war Chefredakteur des Sterns und der Welt sowie langjähriger Leiter der Henri-Nannen-Schule. Alternativ können wir ChatGTP, Perplexity oder Claude nutzen. Hier ein Vorschlag für einen Prompt. Solltet ihr Verbesserungsvorschläge haben, ab damit in die Kommentare.
KI-Prompt für Spielebeiträge
Du bist eine erfahrene Lektorin für Spielejournalismus. Überarbeite den folgenden Text stilistisch nach den Regeln von Wolf Schneider, zeitgemäß angewendet. Nimm keine inhaltlichen Änderungen vor. Verschiebe keine Nuancen. Ändere weder Erzählperspektive noch Aussage.
Beachte dabei folgende Regeln:
Sei behutsam mit stilistischen Eingriffen. Stelle Sätze nicht unnötig oder radikal um. Verändere direkte Zitate niemals, weder stilistisch noch formal. Eigennamen unverändert lassen.
Verwende überwiegend Hauptsätze. Halte Sätze möglichst zwischen 7 und 14 Wörtern lang. Kurze, konkrete Wörter bevorzugen. Aktiv statt Passiv. Starke Verben, möglichst keine Substantivierungen. Füllwörter streichen. Keine Floskeln oder Klischees. Adjektive nur bei Informationsgewinn. Fremdwörter vermeiden. Terminologie konsistent halten. Keine Abkürzungen. Maximal leicht kürzen, ohne Informationsverlust. Kürze konsequent die Vorsilbe Spiel- bei zusammengesetzten Wörtern. Korrigiere alle Rechtschreibfehler und Interpunktionsfehler.
Gib das Ergebnis wie folgt aus:
Absatzweise, getrennt durch Striche. Schreibe zuerst: Original: und gib den unveränderten Absatz wieder. Absatzstruktur und Absatzgrenzen des Originals bleiben exakt erhalten. Schreibe danach: Formulierungsvorschlag: und gib die überarbeitete Version des Absatzes aus. Liste anschließend stichpunktartig die wichtigsten stilistischen Änderungen auf. Jeder Änderungspunkt enthält mindestens ein konkretes Vorher–Nachher-Beispiel aus dem Text. Die Änderungen sollen klar erkennbar und nachvollziehbar sein. Weise optional auf mögliche inhaltliche Kürzungen oder Strukturverbesserungen hin, ohne sie selbst umzusetzen.
Warte auf die Texteingabe.
Wie bei allen Prompts gilt: Die KI ist ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Nicht blind aufs Ergebnis vertrauen, sondern es lediglich als Denkanstoß nutzen. Dabei helfen folgende Tipps.
0. Goldene Regel
Beiträge leben davon, dass wir Regeln gelegentlich brechen – klug, bewusst und mit Stil.
1. Kurze Sätze
Es ist ein Verstoß gegen seine eigenen Regeln: „Das Optimum an eingängigem und attraktivem Deutsch lässt sich durch einen lebhaften Wechsel von mäßig kurzen und mäßig langen Sätzen erzielen“, schreibt Wolf Schneider in seinem Buch „Deutsch für Profis“. Der Satz hat 21 Wörter. Dabei sollen Sätze laut Schneider aus 7 bis maximal 14 Wörtern bestehen. So wirken sie kraftvoller und sind leichter zu verstehen.
Maximal 14 Wörter: Das gilt für geschriebene und gesprochene Sätze. Podcasts hört man oft nebenbei. „Der Hörer muss das Gesagte in sekundenschnelle aufnehmen, verarbeiten und sich darunter etwas Konkretes vorstellen können. Nur dann besteht die Möglichkeit, dass er die Botschaft versteht und auch behält“, schreibt Peter Hüllen im „Handbuch für Radiojournalisten“.
Die Puzzle- und Logistikaufgaben in Moorland sind zwar eher solistischer Natur, gleichwohl können sich die Spielenden gegenseitig ein bisschen ärgern, wenn sie sich gegenseitig wertvolle und passende Moorkarten aus der gemeinsamen Auslage wegnehmen.
Der Satz hat 32 Wörter und zwei Nebensätze. Der einfachste Trick, um Sätze zu kürzen: Kommas durch Punkte ersetzen.
Die Puzzle- und Logistikaufgaben in Moorland sind eher solistischer Natur. Gleichwohl können sich die Spielenden gegenseitig ein bisschen ärgern. Sie können sich gegenseitig wertvolle und passende Moorkarten aus der gemeinsamen Auslage wegnehmen.
Schon besser. Jetzt sind es drei Sätze mit 10, 9 und 13 Wörtern. Noch prägnanter:
Die Puzzle- und Logistikaufgaben sind solistischer Natur. Gleichwohl können Spielende einander ärgern, indem sie sich Moorkarten aus der gemeinsamen Auslage wegschnappen.
Nun sind es zwei Sätze mit 7 und 14 Wörtern. Der Einschub „in Moorland“ ist überflüssig. Die ganze Rezension dreht sich ums Spiel Moorland. Ebenfalls überflüssig: eher und bisschen. Warum eher solistisch? Und was heißt ein bisschen ärgern? Ein klitzekleines bisschen? Ein bisschen mehr? Oder ein bisschen doller? Die Adjektive wertvoll und passend können wir streichen. Statt solistischer Natur könnten wir auch schreiben: Die Puzzle- und Logistikaufgaben löst jede Person für sich.
Nebensätze sind gut, wenn sie durch eine Bedingung (wenn, dann, …) mit dem Hauptsatz verbunden sind. „Eingeschobene Nebensätze sind immer problematisch, denn sie kleistern ja einen zweiten Gedanken mitten in den unvollendeten ersten hinein. Vollends unerträglich werden sie, wenn sie eine zweite, noch dazu korrespondierende Hauptsache enthalten. Für zwei Hauptsachen gibt es nur eine unverkrampfte Form der Mitteilung: zwei Hauptsätze“, schreiben Schneider und Paul-Josef Raue.
Abgerundet wird dieses schnelle Kartenspiel durch Zusatzkarten, wie Wegkarten mit Trollen, Sabotagekarten zum Aussetzen, Brücken, Leitern, Sondergoldstücken, Steinschlägen und Schatzkarten, die anstatt einer Wegkarte gelegt werden können.
Der Satz besteht aus 27 Wörtern, der Einschub aus 13 Wörtern. Warum nicht so?
Zusatzkarten runden das Spiel ab. Sie können statt Wegkarten gelegt werden. Es gibt Brücken, Leitern, Goldstücke, Steinschläge, Schätze, Karten mit Trollen auf Wegen und Sabotagekarten zum Aussetzen.
Es sind immer noch 27 Wörter, aber verteilt auf drei Sätze mit 5, 6 und 16 Wörtern. Dass es ein schnelles Spiel ist, ist an dieser Stelle überflüssig. Wie lange Saboteur – Das Duell dauert, steht bereits am Anfang der Rezension. Auch dass es sich um ein Kartenspiel handelt, ist bekannt. Statt alle Zusatzkarten aufzuzählen könnten wir drei Beispiele rauspicken: Zusatzkarten mit Brücken, Schätzen und Trollen runden das Spiel ab.
Satzanfänge wie „Es ist festzustellen, dass “ oder „Es könnte sinnvoll sein, dass …“ verschleiern Botschaften und blähen Sätze auf. Sie wirken defensiv und unentschlossen, als wollten sich Autorin oder Autoren absichern. „Erfahrene Spielerinnen und Spieler sind im Vorteil.“ ist kürzer und prägnanter als „Es wird deutlich, dass erfahrene Spielerinnen und Spieler im Vorteil sind.“
2. Kurze Wörter
Schneider empfiehlt, Sätze auf maximal 14 Wörtern zu begrenzen. Doch im Deutschen mit seinen Wortkettenkombinationsmöglichkeiten zählt nicht nur die Zahl der Wörter, sondern auch ihre Länge.
Je nach Erfolg schalten wir für kommende Partien weiteres Material frei.
In Abhängigkeit von erzielten Erfolgen erhalten wir die Berechtigung, Zusatzspielmaterial freizuschalten.
Beide Sätze haben elf Wörter. Der Erste wurde so geschrieben, der Zweite frei erfunden. „Kurze Wörter sind fast immer verständlicher und zugleich farbiger, kraftvoller als lange Wörter“, schreibt Schneider. Sein Rat: Kämpft um jede Silbe. „Einsilber sind das Größte, Zweisilber das Zweitgrößte. Jede gestrichene Silbe macht den Text schneller, jedes kurze Wort macht ihn stärker.“
Die Vorsilbe Spiel lässt sich fast immer streichen: Karten, Material oder Ziel ist kürzer als Spielkarten, Spielmaterial oder Spielziel. Rosen ist zwei Silben kürzer als Rosenplättchen und anschaulicher. Ist es wichtig, dass es sich um Plättchen handelt, sollten wir beim längeren Wort bleiben. Anleitung hat drei Silben, Regel zwei. Punkte ist kürzer als Siegpunkte. „Der Einstieg in das Spiel ist …“ hat sieben Silben. „Der Start ins Spiel ist ..“ hat fünf Silben und „Der Start ist …“ drei. Sammlerausgabe ist kürzer als Collector’s Edition und verständlicher als der englische Begriff.
3. Aktiv statt Passiv
Nicht nur die Satzlänge zählt, auch der Aufbau. Schneider rät, zwischen Teilen eines Verbs nie mehr als sechs Wörter oder zwölf Silben zu setzen.
Außerdem werden diese Karten nicht nach Abschluss dieser Phase, sondern nur in der Wertung der jeweiligen Phase der Kartenfarbe gewertet.
Was passiert mit den Karten? Werden sie getauscht, zerrissen oder abgelegt? Erst nach 17 Wörtern erfahren wir: Sie werden gewertet. Das Passiv quält die Auflösung ans Satzende. Wir sollten es vermeiden. „Das Passiv ist ein Lieblingsinstrument der Bürokratie und schlechthin die unjournalistischste Art, mit einem Verb umzugehen“, schreibt Schneider. Laut ihm sollte man das Passiv nur verwenden, wenn niemand wissen will, wer handelt.
Die Messe wird um 19 Uhr geschlossen.
Hier interessiert nicht, wer den Schlüssel umdreht. Trotzdem ist das Passiv selbst in diesem Beispiel problematisch. Die Messe wird um 19 Uhr … ja was denn … eröffnet, umgebaut, abgerissen … achso geschlossen. Das Aktiv macht es schneller klar.
Die Messe schließt um 19 Uhr.
Wer in einer Spielerezension handelt, ist eine Stilfrage.
Würfel in fünf Farben werden geworfen.
Mögliche aktive Alternativen wären: Spieler werfen Würfel in fünf Farben. Oder: Spielerinnen und Spieler werfen Würfel in fünf Farben. Oder: Die Spielenden werfen Würfel in fünf Farben. Oder: Wir werfen Würfel in fünf Farben. Oder, falls Personen eingeführt wurden: Antonio wirft Würfel in fünf Farben.
4. Starke Verben
Verben lassen Texte aufblühen. Sie treiben die Sprache voran, malen Bilder und ziehen Leserinnen und Leser in den Bann. „Verben verstecken ist das bei weitem dümmste Spiel, das man mit Sprache treiben kann. Das Verb tritt immer an prominenter Stelle auf. Niemals sollten wir ein Substantiv verwenden, wo ein Verb denselben Dienst versieht“, schreibt Schneider.
Lassen wir Figuren schleichen, hasten oder taumeln, statt sie von A nach B zu bewegen. Arbeiter können auf Felder plumpsen oder donnern. Jedes Verb malt eine andere Szene und pinselt den Beitrag in eine andere Farbe. Wir sollten nicht schreiben: Wir sammeln Ressourcen. Stärker ist es, wenn wir Ressourcen horten oder hamstern. Noch anschaulicher wird es, wenn wir Gold schürfen, Kirchen plündern oder Äpfel pflücken.
5. Vorsicht vor Substantiven
Substantive haben ihren Platz, doch sie sollten kurz und prägnant sein: Drache, Maus, Tee. Solche Wörter erzählen laut Schneider Geschichten. Substantivierungen hingegen lähmen den Text. Deshalb Vorsicht bei Wörtern, die auf ung, heit, keit, ismus oder tion enden. Siegbedingung, Übersichtlichkeit oder Konfrontation wirken steif, distanziert und blähen Sätze auf.
Mehr als 40 Mitarbeiter sind in Berlin für Plüsch, Puzzle und Spiele tätig. Zehn Spieleredakteure kümmern sich um die Auswahl und Optimierung der Brettspiele
Wieso nicht so?
Über vierzig Mitarbeiter kümmern sich in Berlin um Plüsch, Puzzle und Spiele. Zehn Redakteure wählen Brettspiele aus und verbessern sie.
Besonders schlimm wird es, wenn Substantivierungen sich häufen. Dann entstehen Texte, die korrekt klingen, aber nichts erzählen.
Das Prinzip „Pars pro toto“ ist eine einfache Methode, um anschaulich zu schreiben. Dabei spricht ein Detail fürs Ganze. Statt Ressourcen können wir bei Catan Erz, Lehm und Getreide verwenden. In einem Spiel blühen Blumen? Das ist nicht anschaulich und lebendig, sagt Schneider. Rosen, Tulpen und Krokusse blühen.
Die engste Einheit benennen, das heißt: präzise schreiben, konkret schreiben, anschaulich schreiben. Die Hirnforschung sagt: Lesen wir Gewürze, erkennt unsere linke Gehirnhälfte das Wort und ist zufrieden. Lesen wir jedoch Zimt, wird zusätzlich die rechte Gehirnhälfte aktiv – die Region im Gehirn, die für Gerüche zuständig ist.
Abschließend noch eine Warnung vor Synonymen. „Die schlimmste Folge der Zwangsvorstellung, jeder Ausdruck müsse ausgewechselt werden, ist die Einbuße an Verständlichkeit“, schreibt Schneider. Das gilt besonders im Spielejournalismus. Klarheit entsteht durch Einheitlichkeit. Eine Runde ist immer eine Runde, keine Phase, kein Abschnitt, kein Zug. Siegpunkte sind Siegpunkte, auch wenn sie in der Anleitung Ruhm-, Charma- oder Wasauchimmer-Punkte heißen.
6. Füllwörter streichen
Füllwörter bringen einen Satz nicht voran. Sie machen ihn länger, schwächer und unpräziser. Typische Füllwörter sind: eigentlich, noch, schon, gewissermaßen, letztendlich, eben, aber, jedoch, trotzdem, irgendwie, so, absolut, wirklich, offensichtlich, natürlich, halt, tatsächlich, außerdem, nun, auch, weiterhin, also, noch mal und ja.
Diese und andere Füllwörter finden sich in vielen Texten. Hier ein Beispiel aus einer Bomb-Busters-Rezension.
Das Spiel enthält immerhin 66 Missionen und einen Haufen Spielmaterial, das erst nach und nach freigeschaltet wird. Also, lohnt sich Bomb Busters auch über die ersten paar Missionen hinaus? Gucken wir doch mal. Wie der Name des Spiels schon vermuten lässt, sollt ihr in Bomb Busters in kooperativer Zusammenarbeit eine Bombe entschärfen.
Nach dem Schreiben können wir alle Füllwörter streichen und den Text erneut lesen. Nur wenn ein Wort wirklich fehlt, darf es zurück. Ohne Füllwörter und liest sich der Absatz so:
Das Spiel enthält 66 Missionen und einen Haufen Spielmaterial, das nach und nach freigeschaltet wird. Lohnt sich Bomb Busters über die ersten Missionen hinaus? Gucken wir mal. Wie der Name vermuten lässt, sollt ihr in Bomb Busters in kooperativer Zusammenarbeit eine Bombe entschärfen.
Oder noch kürzer.
Das Spiel enthält 66 Missionen und viel Material, das wir nach und nach freischalten. Lohnt sich Bomb Busters über die ersten Missionen hinaus? Gucken wir mal. Der Name verrät es: Wir sollen gemeinsam eine Bombe entschärfen.
Ob man auf den Satz „Gucken wir mal“ verzichtet oder nicht, ist Geschmackssache. Statt gemeinsam könnten wir auch kooperativ schreiben.
7. Adjektive streichen
Adjektive sind oft überflüssig. Ihr Sinn steckt oft in Substantiven. „Jedes weggestrichene Adjektiv ist ein Gewinn“, schreibt Schneider. Adjektive sind außerdem oft verdaute Informationen. Sie ersetzen Beschreibungen durch Bewertungen.
Die Verpackung ist stabil, aber die Grafiken und die Spielfeld-Farben sind nicht sonderlich gut und entsprechen auch keinem heutigen Standard mehr.
Was heißt nicht sonderlich gut? Sind die Grafiken unscharf? Sind die Farben schwer zu unterscheiden? Und was ist der heutige Standard? Antworten auf diese und andere Fragen fehlen in der Scrabble-Rezension.
Es ist schnell erklärt und schnell gespielt.
Was heißt das? Wir sollten schreiben, was ist.
Es ist in fünf Minuten erklärt und in zehn Minuten gespielt.
8. Keine Fremdwörter
Ludografie, Kiebitz, Kramerleiste: Nicht jede Person versteht solche Fachbegriffe. Wir sollten nachdenken, bevor wir sie verwenden – selbst wenn unsere Zielgruppe erfahrene Spielerinnen und Spieler sind. Es gibt immer Menschen, die neu ins Hobby einsteigen. Wie man Fachbegriffe erklären kann, zeigt Daniel Wüllner in einem Artikel über Weimar. Er schreibt:
Für den Spielmechanismus orientiert sich Cramer an sogenannten card driven games – kartengetriebenen Konfliktsimulationen. […] Die Grundidee von card driven games: Karten werden nicht für einen einzigen Effekt genutzt – wie zum Beispiel „Ziehe zwei Karten“ bei Uno – sondern auf unterschiedliche Weise.
Wer im Internet veröffentlicht, kann ein Glossar anlegen und dort Fachbegriffe erklären. So lassen sich Begriffe verlinken, statt sie immer wieder zu erläutern. Wir sollten nicht nur auf spezielle Fachbegriffe achten, sondern auch auf allgemeine. Nicht jede Persom kennt Wörter wie immersiv, asymmetrisch, intrinsisch oder orthogonal.
Ab 1980 konnten sich Jungkommunistinnen und -kommunisten immerhin mit Klassenkampf vergnügen, einem Spiel des New Yorker Politologen Bertell Ollman. Der Haken an dieser Gamification des dialektischen Materialismus: Sie war ur-fad.
Wer nicht weiß, was dialektischer Materialismus bedeutet, bleibt beim Radiobeitrag über Monopoly außen vor. „Es ist nicht wahr, dass alle Fachwörter heilig und unübersetzbar wären. Der sachliche Vorzug, den sie häufig haben, verbindet sich allzu oft mit der Gedankenlosigkeit oder dem Hochmut derer, die sie benutzen“, schreibt Schneider.
Wir sollten auch abwägen, ob wir englische Ausdrücke und Anglizismen verwenden wollen. „Die Nichtübersetzung aus einer Fremdsprache, obwohl es eine geringe Mühe wäre, das deutsche Wort zu wählen: das ist die häufigste Sünde der Experten“, schreibt Schneider. Deutsche Alternativen für gängige Anglizismen stehen im Anglizismenindex des Vereins Deutsche Sprache. Hier einige Vorschläge für Begriffe aus dem Brettspielbereich: Statt All-Time-Favorite könnten wir Dauerbrenner verwenden, statt Analysis Paralysis Grübelstarre oder Denkblockade. Ein Bestseller ist ein Verkaufsschlager, eine Collector’s Edition eine Sammlerausgabe oder Sonderausgabe. Combos sind Kettenzüge, eine Expansion ist eine Erweiterung. Statt out of print können Spiele vergriffen oder nicht mehr erhältlich sein. Wer Spiele pimpt, verschönert oder verbessert sie. Ein Review ist eine Rezension oder eine Kritik, ein Review copy ein Rezensionsexemplar oder Pressemuster. Sleeves sind Kartenhüllen oder Hüllen. Wer etwas triggert, löst etwas aus.
9. Keine Floskeln
Wir sollten auf Floskeln verzichten. Sie sind vorhersehbar, langweilig und nichtssagend. Außerdem sind sie oft falsch.
Die Zeit verging wie im Flug.
Was heißt das? Jede Person, die Langstrecke geflogen ist, weiß wie langsam Zeit im Flugzeug verrinnen kann. Floskeln sind sprachliche Routinen, die so häufig gebraucht wurden, dass sie ihre Wirkung verloren haben. Wenn wir Floskeln überraschen wollen, sollten wir sie in einen neuen Zusammenhang setzen. Wir sollten nicht von einem Dauerbrenner sprechen, sondern von einem Dauerbrenner, der fast schon leicht verkokelt ist.
Ein typisches Familienspiel.
Was ist mit Familienspiel gemeint? Dass Kinder und Erwachsene das Spiel spielen können? Dass es auch Oma und Opa Spaß macht? Dass es preiswert ist? Dass es in fünf Minuten gelernt ist? Und was ist ein atypisches Familienspiel? Ein Trinkspiel? Ein Erotikspiel? Ein Spiel, das länger als 90 Minuten dauert?
10. Keine Abkürzungen
Spielerinnen und Spieler wissen, dass W6 für einen sechsseitigen Würfel steht, MtG für „Magic The Gathering“, BuBu für „Burgen von Burgund“ und MäDN für „Mensch ärgere Dich nicht“. Alle anderen nicht. Das Gleiche gilt für Abkürzungen von Unternehmen oder Organisationen. Daher ist es sinnvoll Spiele-Autoren-Zunft statt SAZ, zu schreiben, Hans im Glück statt HiG oder Boardgamegeek statt BGG.
Abkürzungen machen Texte schwerer lesbar. Wir sollen auf sie verzichten. Ausnahme: Falls wir Abkürzungen verwenden, sollten wir sie einführen, also den Begriff beim ersten Mal ausschreiben und die Abkürzung in Klammern dahinter nennen. Danach können wir sie verwenden. So handhaben es die meisten großen Onlineportale und Tageszeitungen.

„Deutsch für Profis“ kaufte ich mehrmals in meinem Leben. Immer wenn ich es verliehen hatte, musste ich mir ein Exemplar nachkaufen. Zurück bekam ich es nie.
Darum war ich sehr neugierig auf die Wolf Schneider KI. Aber ich bin enttäuscht. Ich habe sie auf den Anfang von meinem Text „Nornen und Geister“ bei spielbar.com angewandt und bekomme nur typisch KI Vorschläge zum flach und konturlos schleifen meiner Sätze.
Schade.
Ich denke der Artikel hier, wäre wertvoller ohne den Verweis auf KI.