Battle of the Influencers: Kartenspiel mit Social-Media-Stars

Battle of the Influencers

Greta Thunberg gegen Kim Kardashian gegen Elon Musk: Im Kartenspiel Battle of the Influencers dreht sich alles um Social-Media-Stars. Die Macher wollen Jung und Alt an einen Tisch bringen und so die Zeit verringern, die Menschen alleine vor dem Bildschirm verplempern.


Battle of the Influencers ist ein klassisches Quartett. Statt Autos stehen Promis im Mittelpunkt. Statt Hubraum und Pferdestärke vergleichen wir Follower und Beiträge. Zusätzlich ist auf jeder Karte eine Erklärung abgedruckt. So wissen alle, welche Person sie vor sich haben; auch die, die es eigentlich nicht wissen. Greta Thunberg kennen viele. Aber gilt das auch für Tess Holliday? Auf ihrer Karte steht:

„Das amerikanische Plus-Size Model ist auch Make-Up-Künstlerin und Bloggerin. Sie wurde von ihrer Mutter ermutigt, Model zu werden, während sie von anderen gemobbt wurde. Heute ist sie eine starke Body-Positive-Aktivistin.“

Spielkarten in Smartphone-Optik

Battle of the Influencers
Battle of the Influencers

Die Karten ähneln einem Mobiltelefon mit geöffnetem Social-Media-Profil. Illustriert wurden sie von Pitica Isabela. Knapp 11.000 Abonnenten folgen der Rumänin mit dem Pseudonym Piggysart auf Instagram, auf TikTok hat sie mehr als 60.000 Follower. „Wir suchten nach einer jungen aufstrebenden Künstlerin, die einen besonderen und wiedererkennbaren Stil hat. Gleichzeitig sollte sie sich in der Szene sehr gut auskennen. Mit Piggysart haben wir einen echten Glücksgriff, da sie selbst angehende Influencerin ist. Bei ihr hat es sofort geklickt. Die Chemie hat sehr gut gepasst“, sagt Patrick Ackmann.

Ackmann hatte zusammen mit Patrick Rometsch die Idee zum Spiel. Sie entstand während des ersten Corona-Lockdowns in einem Videochat. Die zwei Schulfrende wollten ein Spiel entwickeln, dass Generationen verbindet. Junge Menschen sollten das Handy zur Seite legen und ihre Bildschirmzeit verringern. Gleichzeitig sollten ältere Menschen lernen, wer heute angesagt ist. Ganz ohne Bildschirmzeit kommt das Spiel allerdings nicht aus. Das Quartettprinzip wurde um Spezialkarten erweitert, für die wir zum Smartphone greifen müssen. Mal kommt so das eigene Social-Media-Profil ins Spiel, mal der erste Star, der im eigenen Newsfeed aufpoppt.

Auf der Rückseite jeder Karte ist ein QR-Code aufgedruckt, der zum Social-Media-Profil des Stars führt. „Jede und jeder soll die Möglichkeit bekommen, mehr über die Charaktere zu erfahren, den aktuellen Stand der Follower nachzuschauen oder, wenn man die Person nicht kennt, zum Beispiel ein Video anzusehen“, sagt Rometsch. Durch die QR-Codes sind die Karten eindeutig erkennbar, also gezinkt. Das sei aber kein Problem. „Das Spielprinzip ist so angelegt, dass die aufliegende Karte von weiteren Karten verdeckt wird. Man hält keinen Karten-Fächer. So ist der QR-Code für die Mitspielerin oder den Mitspieler nicht einsehbar.“

Sinnfluencer trifft Beautystar

Battle of the Influencers
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Im Spiel tauchen etwa dreißig Influencerinnen und Influencer auf. „Bei der Auswahl haben wir uns die Fragen gestellt: Ist die Person unterhaltsam genug? Hat sie wirklich etwas Besonderes? Wir wollten nicht die millionste Beautybloggerin zeigen. Wichtig war uns auch, dass wir bei jeder Karte ein gutes Gefühl haben und niemand aufnehmen, nur weil er oder sie viele Follower hat“, sagt Ackmann. Deshalb haben er und Rometsch sich dazu entschieden, auch Aktivistinnen und Aktivisten eine Bühne zu geben, sogenannten Sinnfluencern. Harnaam Kaur ist ebenso im Spiel vertreten wie Malala Yousafzai oder Greta Thunberg.

Neben Followern und Beiträgen lassen sich auch Auszeichnungen vergleichen. „Der Grund für diese Kategorie ist, sich von reinen Beauty- oder Kosmetik-Influencern mit vielen Followern zu unterscheiden und in irgendeiner Form mit Preisen und Auszeichnungen anderweitig zu punkten. Hier haben Sinnfluencer einen Vorteil gegenüber Stars mit vielen Followern“, sagt Rometsch. Dies diene auch dem Spielspaß.

Kickstarter-Kampagne gestartet

Etwa 1.700 Euro werden für die Produktion der Erstauflage benötigt. Ackmann und Rometsch haben deshalb auf Kickstarter eine Kampagne gestartet. Sie läuft noch bis Ende Juni. Wer ein eigenes Deck haben möchte, ist für neun Euro dabei. Schulen erhalten zehn Spiele für 76 Euro. Wenn alles klappt, soll Battle of the Influencers im September ausgeliefert werden, vorerst nur in englischer Sprache. Bei Erfolg sollen nationale Varianten folgen. „Influencer gibt es glücklicherweise in jedem Land täglich mehr. Für die deutsche Versionen haben wir schon tolle Favoriten“, sagt Rometsch.

Der Vertrieb soll in Zukunft unter anderem über Shoppfunktionen von Facebook, Instagram und Co. erfolgen. Wer das Spiel außerhalb von Kickstarter kauft, unterstütze die Fachstelle Return Mediensucht. Der Verein beschäfigt sich damit, Mediensüchtigen zu helfen. „Das liegt bei dem Thema ja nahe. Schon aus Prinzip wollen wir das verzahnen“, sagt Ackmann. Vom jedem verkauften Exemplar solle ein bestimmer Prozentsatz an die Fachstelle fließen.

Bleibt zum Schluss nur noch eine Herausforderung: die Zustimmung der Stars. „Zur Sicherheit fragen wir alle Influencerinnen und Influencer nochmal persönlich, ob wir sie in unserem Spiel verwenden dürfen“, sagt Rometsch. „Die meisten waren beziehungsweise sind direkt von der Idee begeistert und drücken uns die Daumen.“ Außerdem waren Ackmann und Rometsch bereits im Austausch mit diversen Verlagen. „Ob wir die Zustimmung brauchen, hängt auch von der Form der künstlichen Darstellung ab, ob die Illustrationen die erforderliche Schöpfungshöhe erreichen und ob das Spiel eine wertschätzende zeitgenössische Sammlung ist.“